
Das zweite Tuttlinger Kulturstipendium wird dieses Jahr im Bereich Bildende Kunst vergeben. Aus über 60 Bewerbungen entschied sich die Jury für Catherine Sanke.
Catherine Sanke, geboren 1990, hat eine Ausbildung zur Holzbildhauerin in Berchtesgaden absolviert und studierte an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle im Fachgebiet Kunst/Keramik bei Prof. Martin Neubert. Seit 2023 ist sie Meisterschülerin bei Prof. Kerstin Drechsel (Fachgebiet Malerei/Grafik) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.
Sie ist Dozentin für Keramikkurse und hat an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland teilgenommen. Seit 2025 ist sie aktives Vorstandmitglied im Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler, Leipzig.
Catherine Sanke über ihre Arbeit und ihr Projekt in Tuttlingen:
„Als Künstlerin bin ich Suchende. In und mit meinen Arbeiten bewege ich mich an der Peripherie. Zwischen Malerei und Grafik, zwischen Skulptur und Installation. Auf meiner Suche begegnen mir Menschen, Dinge, Landschaften. Sie helfen mir, mich zu verorten und fließen in meine Arbeiten ein.
Der Arbeitstitel für mein Projektvorhaben Poesie des Alltäglichen bezieht sich auf mich als Suchende, auf technische Herangehensweisen der keramischen Formgebung – die repetitiven Schritte in den keramischen Arbeitsprozessen – und auf die thematische Auseinandersetzung mit der Stadt Tuttlingen.
Meine Arbeitsprozesse sind geprägt von Momenten, in denen ich dem Zufall bewusst Raum gebe und die daraus entstehenden Ergebnisse in die Arbeit integriere. Auf diese Weise entwickle ich kontinuierlich neue Methoden, um das Spielerische und Ungeplante in den Entstehungsprozess einzuladen. Hierfür entwickelte ich 2024 die Tonne, einen transportablen keramischen Schnell-Brennofen. Diesen bringe ich nach Tuttlingen mit, um dort Brände durchzuführen, zu experimentieren und weitere Erfahrungen mit dem Ofen zu sammeln.
Ziel ist für mich das konzentrierte bildhauerisch-skulpturale Arbeiten mit dem Material Ton in Bezug auf eine neue Umgebung. Ich werde verschiedene Bodenproben sammeln, um daraus Engoben herzustellen, welche ich auf die Oberflächen der vor Ort entstehenden Objekte appliziere. Abhängig von Fundort und Zusammensetzung des Bodens entsteht so ein vielschichtiges, ortsspezifisches Farbspektrum.
Skulpturale und malerische Aspekte bilden in den Objekten eine Einheit, deren Erscheinungsbild durch den jeweiligen Ort geprägt ist. Abschließend werden diese Orts-Objekte in einem fragmentarischen Archiv gebündelt – einer Sammlung keramischer Arbeiten, gebrannt in der Tonne. Das Stipendium ermöglicht mir, eine konzeptuell angelegte keramische Arbeit mit starkem lokalem Bezug umzusetzen und zugleich die Brenneigenschaften der Tonne weiter zu erforschen und zu vertiefen.
Mit meinem experimentellen Brennverfahren knüpfe ich an alte Techniken an, kultiviere das Händische und den spielerischen Umgang mit dem Material Ton im künsterischen Arbeitsprozess. Die Dinge werden so im wahrsten Sinne des Wortes be-greifbar: Durch Berührung entsteht eine andere, sinnlichere Form des Erkennens – ein Verstehen durch Erfühlen.“
Am Do., 07. Mai um 19:00 wird die Catherine Sanke offiziell im KUKAV zum Antritt ihres Stipendiums begrüßt.
Link zur Veranstaltung
Das Tuttlinger Kulturstipendium wird jährlich den Fokus auf eine andere künstlerische Disziplin richten: Nach dem Start des Literaturstipendiums 2025 und dem Stipendium für Bildende Kunst im Jahr 2026 ist 2027 ein Musikstipendium geplant.
Finanziert wird das Stipendium bisher aus Spenden von Tuttlinger Firmen, der Bürgerstiftung und privaten Unterstützern. Um die Stipendien zu sichern, freuen wir uns über weitere Förderer.
